Tierkremation

Die Tierkremation gewinnt in Deutschland und in anderen europäischen Staaten zunehmend an Bedeutung, da immer mehr Menschen einen würdigen Abschied von ihrem Haustier wünschen. Die für derartige Kremationsanlagen anzuwendenden Emissionsstandards sind derzeit in Deutschland nicht einheitlich geregelt. So werden je nach Bundesland unterschiedliche Anforderungen an die zulässigen Abgasemissionen und den Anlagenbetrieb gestellt. Diese reichen von der Anwendung der technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft (TA Luft) über die von der Humankremation abgeleiteten Emissionsvorschriften (27. BImSchV) bis zur Umsetzung der für die Abfallverbrennung geltenden 17. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (17. BImSchV). Dieses Defizit wurde von der Kommission Reinhaltung der Luft in VDI und DIN-Normenausschuss KRdL erkannt und eine Arbeitsgruppe zur Erarbeitung einer Technischen Regel (VDI-Richtlinie 3890) ins Leben gerufen.

 

Basierend auf einer langjährigen Ofenbauerfahrung in den Bereichen Humankremation und Sonderverbrennungsanlagen für unterschiedliche Anwendungen, hat RUPPMANN bereits 1972 den ersten Tierkremationsofen installiert und in Betrieb genommen. Mit der Zuordnung dieser Anlagen in die Kategorie „Abfallverbrennung (17. BImSchV)" wurde dieses Arbeitsfeld vorübergehend nicht mehr bedient. Seit 2006 engagieren wir uns wieder auf diesem Sektor und haben in Anlehnung an die Humankremation eine ganzheitliche Verfahrenskonzeption, bestehend aus den Kernkomponenten:

 

  • Kremationsofen in unterschiedlichen Baugrößen,
  • Wärmetauscherturm zur „schnellen" Rauchgaskühlung,
  • Rauchgasreinigung nach dem Trockensorptionsverfahren

 

entwickelt und erfolgreich installiert.

 

Mit unserer Ofengestaltung haben wir konsequent den Weg verfolgt einerseits Einzel- und Sammelkremationen in einer für Tierbesitzer ansprechenden Art und Weise durchzuführen und andererseits den Belangen des Umweltschutzes bereits während der Verbrennung Rechnung zu tragen. Hierzu sind unsere Ofensysteme mit einer Frontaufgabe ausgerüstet. Da beim Öffnen des Ofenschiebers austretende Gasschwaden nicht auszuschließen sind, rüsten wir generell unsere Ofenschieber mit einer automatischen Schwadenabsaugung aus.

 

Der eigentliche Kremationsofen ist als Mehrkammerofensystem und setzt sich aus folgenden Baugruppen zusammen:

 

  • Hauptbrennkammer zur Aufnahme der Tierkörper,
  • Rauchgasgeführte indirekte Ofenbodenbeheizung,
  • Nachbrennkammer zur Rauchgasnachverbrennung, als Turbulenzzone ausgebildet,
  • Primär- und Sekundärluftverteilungssystem,
  • Stützfeuerung in der Haupt- und Nachbrennkammer durch leistungsfähige Low-NOx-Gasbrenner

 

Mit diesem in sich abgeschlossenen und aufeinander abgestimmten Ofensystem lassen sich besonders gute Ausbrandbedingungen für das Rauchgas und die festen Rückstände erzielen. Hierzu laufen im Hauptverbrennungsraum die Verbrennungsvorgänge im Wärmeaustausch zwischen den Feuerraumwänden und dem Kremationsgut unter gezielter Primärluftzugabe ab. Bei Bedarf wird über gasbefeuerte Brenner der Verbrennungsvorgang unterstützt. Die nach Abschluss der Hauptverbrennung mineralisierte Asche wird manuell aus dem Ofen entnommen.

 

Das aus der Hauptbrennkammer seitlich austretende Rauchgas wird unterhalb der Herdplatte geführt und beheizt diese indirekt bevor es unter Sekundärluftzugabe im Nachverbrennungsraum bei hoher Turbulenz ausgebrannt wird. Unter derartigen Verbrennungsbedingungen werden Kohlenmonoxid, Gesamtkohlenstoff und auch Kohlenwasserstoffe weitestgehend zu unkritischen Verbindungen wie CO2 und H2O oxidiert. Geringe CO-Konzentrationen sind zudem ein Indiz für günstige Ausbrandbedingungen und somit für die primärseitige Zerstörung von besonders toxischen Verbindungen, wie Dioxine und Furane.

 

Das aus dem Ofen austretende Rauchgas wird anschließend auf die erforderliche Filterbetriebstemperatur abgekühlt. Die dabei frei werdende Wärmemenge wird über ein Rückkühlersystem an die Umgebung abgegeben bzw. kann an eine Wärmenutzung angeschlossen werden. Vor dem Hintergrund der de novo Synthese (Rückbildung) von Dioxinen und Furanen bei der Rauchgasabkühlung, erfolgt die Wärmeabgabe in einem kompakt ausgeführten Wärmetauscherturm.

 

Sowohl der Kremationsofen, als auch der Wärmetauscherturm und der beide Komponenten verbindende Rauchgaskanal sind mit hochwertigen Feuerfest- und Isoliermaterialien ausgekleidet und werden von erfahrenen Feuerungsmaurer vor Ort gemauert.

 

Zur Rauchgasreinigung wird das ohne Abwasser arbeitende Trockensorptionsverfahren eingesetzt. Dabei werden Additive (ein Gemisch aus Aktivkohle und Kalk) in den Gasstrom eingedüst. Diese adsorbieren organische Schadstoffe ebenso wie Schwermetalle und nichtorganische Verbindungen, wie SOx und HCl. Um die Durchmischung und damit die Effektivität der Schadstoffabscheidung zu steigern, kommt der von RUPPMANN eigens hierfür entwickelte Multizyklonreaktor zur Anwendung. Schließlich durchströmt das mit den Additiven durchmischte Rauchgas den Gewebefilter. Dort werden die festen Inhaltsstoffe, Stäube und mit Schadstoffen beladene Additive abgeschieden. Das auf diese Weise gereinigte Abgas wird über eine Kaminanlage an die Umgebung abgeführt.

 

Alle Prozessschritte werden von einem automatisch arbeitenden Prozesssteuerungssystem beobachtet und automatisch geregelt. Dieses basiert auf dem Prinzip der speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS). Die erfassten Daten können zusammen mit kontinuierlich aufgezeichneten Emissionsmesswerten über ein PC-Visualisierungssystem bedienungsfreundlich abgerufen werden.

 

 


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